Energiewende-Lernort „Hy-StorE100“ am BBZ Dithmarschen eingeweiht

Das Berufsbildungszentrum (BBZ) des Kreises Dithmarschen und die Entwicklungsagentur Region Heide (EARH) haben am 20. März 2025 den gemeinsam konzipierten Lernort Hy-StorE100 eingeweiht. Die Kooperation unterstreicht das Engagement der Region für die Förderung erneuerbarer Energien und die Ausbildung von Fachkräften in zukunftsträchtigen Technologien.

Neben derzeit anlaufenden Großprojekten der Energiewende, wie dem Baustart des Multi-Terminal-Hubs, einem riesigen „Energiedrehkreuz“ auf einer rund 150 ha großen Fläche in der Region Heide, liefert auch die Einweihung des Energiewende-Lernorts am BBZ in Heide einen wichtigen Beitrag zur regionalen Transformation. „Im Mittelpunkt steht die Erprobung der Integrationsplattform EDDIE und einer Betriebsoptimierung, die das Zusammenspiel verschiedener Systemkomponenten des Energiesystems intelligent steuert. Als konkreten Anwendungsfall nutzen wir u.a. die vorhandene PV-Anlage und Wärmepumpen des BBZ sowie den im Projekt beschafften Elektrolyseur, eine Brennstoffzelle und einen Wasserstoffspeicher“, berichtet Projektmanagerin Verena Gerbaulet von der EARH. Die Gebäudetechnik und die zusätzlich im Projekt beschafften Geräte dienen als Testumgebung, um die Steuerung deutlich größerer Anlagen oder ganzer regionaler Energiesysteme zu erproben.

„Mit Hy-StorE100 setzen wir ein weiteres wichtiges Zeichen für die Zukunft der Energieversorgung in Dithmarschen. Hier zeigen wir ganz konkret, wie Wasserstoff nicht nur industriell genutzt, sondern auch in kleineren Maßstäben intelligent in bestehende Infrastrukturen integriert werden kann. Dieses Projekt ist ein weiterer Baustein, um unsere Region als Vorreiter der Energiewende zu etablieren“, freut sich Landrat Thorben Schütt. Das Projekt leiste zudem einen praxisnahen Beitrag für die Ausbildung von Fachkräften.

Die Idee für die Zusammenarbeit kam von der EARH. Die vom Amt Heider Umland und der Stadt Heide getragene Agentur für Wirtschaftsförderung, Innovation und Regionalentwicklung ist seit mehreren Jahren treibende Kraft in verschiedenen, von Bund und Land geförderten Forschungsprojekten. Ziel ist es, erneuerbare Energie möglichst umfassend für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft zu nutzen. Der Aufbau des Lernortes erfolgt in Verbindung mit dem von der EARH koordinierten Forschungs- und Entwicklungsprojekt SYSTOGEN100, einem Teil des nationalen Wasserstoff-Leitprojektes H2Giga.

SYSTOGEN100 soll eine besondere Herausforderung der Energiewende lösen. Diese ergibt sich aus den wetterbedingten Schwankungen bei der Erzeugung von Wind- oder Solarenergie. Eine natürlicherweise von Tag zu Tag variierende Produktion verursacht starke Unterschiede beim Strompreis und der Auslastung des Netzes, sodass private Anlagenbetreiber, vor allem aber große Netzbetreiber und Energieversorger eine Orientierungshilfe benötigen, wann Energie am Markt verkauft oder besser selbst genutzt oder gespeichert werden sollte. Unter Berücksichtigung von Wetter-, Markt- und Verbrauchsdaten werden optimierte Fahrpläne für die Anlagen erzeugt, welche die im Projekt entwickelte Integrationsplattform „EDDIE“ in Form von Steuerungssignalen an die entsprechenden Anlagen übermittelt.

Mithilfe der technischen Anlagen auf dem BBZ-Campus wird das Zusammenwirken der Technik und ihre Steuerung veranschaulicht. Gleichzeitig liefert sie einen Beitrag zur klimafreundlichen Energieversorgung des BBZ. Schulleiterin Monika Raguse kündigt an, dass der Lernort schrittweise in die Ausbildung integriert und weiterentwickelt werden soll. „Für uns ist das ein spannender Prozess, denn wir können die Wissensvermittlung gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Ausbildungsbetrieben und weiteren Partnern gestalten – genau dieser gemeinsame Lernprozess ist zentral für die Verbreitung von Innovationen. Deshalb freuen wir uns sehr über dieses Gemeinschaftsprojekt.“

„Die Projekte der Entwicklungsagentur sollen einen konkreten Mehrwert für die Menschen in der Region bringen“, ergänzt EARH-Vorstand Dirk Burmeister. Die Kooperation mit dem BBZ sei deshalb ein Glücksfall. „Zusammen erhöhen wir die Sichtbarkeit unserer Arbeit und vermitteln jungen Menschen technische Qualifikationen, die zukünftig in unserer Region gebraucht werden.“

Mit Blick auf weitere große Veränderungen im Zuge der Energiewende in Dithmarschen und ganz Deutschland wird diese Zusammenarbeit von Wissenschaft, Berufsausbildung, Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung in Zukunft weiterhin stark gefordert sein: Zwar verarbeitet das Projekt Hy-StorE100 nur einen winzigen Bruchteil der Leistung, die das Multi-Terminal-Hub als Milliardenprojekt der Energiewende südwestlich von Heide ab 2030 aufnehmen wird. Die Frage, wie der dort im Gigawatt-Maßstab auflaufende Strom je nach Angebot und Nachfrage an Industrie und Haushalte weitergeleitet oder umgewandelt und in Form von Wasserstoff gespeichert werden sollte, wird für den Betrieb der großtechnischen Anlage genauso relevant sein wie für den Lernort am BBZ. Die zentrale Datendrehscheibe „EDDIE“ und vor allem Berufsschülerinnen und -schüler können sich am BBZ bereits jetzt auf große Zukunftsaufgaben vorbereiten – und dabei viel voneinander lernen.
 

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